(BIERMANN) – Wegen eines umstrittenen Kopftuchverbots muss ein Arzt aus dem osthessischen Wächtersbach seinem Berufsverband Rede und Antwort stehen. Dem Mann drohe ein Disziplinarverfahren, sagte der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV), Matthias Roth, am Montag.
Der Mediziner müsse sich innerhalb von zwei Wochen zu seinem Verbot äußern. Auch die Landesärztekammer prüft, ob der Mann gegen das Berufsrecht verstößt, weil er in seiner Praxis «Regeln» aufgehängt und Kopftücher ebenso wenig wie Großfamilien duldet. Außerdem müssen die Patienten des Arztes Grundkenntnisse der deutschen Sprache besitzen. Der Fall war am Freitag bekannt geworden, der Mann hatte danach heftige Kritik einstecken müssen.
Er hatte sein Vorgehen mit den jahrelangen großen Problemen bei der Behandlung türkischer, muslimischer Patienten begründet. Jetzt sei ihm «der Kragen geplatzt» und er habe «Spielregeln» formuliert und aufgehängt. Er habe nichts gegen Kopftücher oder Türken und wolle lediglich für einen «reibungsloseren Praxisablauf» sorgen, hatte er erklärt. Am vergangenen Freitag hatte der Arzt angekündigt, die Aushänge so zu ändern, dass sie für muslimische Patienten «akzeptabel» seien.
Wächtersbachs Bürgermeister Rainer Krätschmer (SPD) sagte, Stadtverwaltung, Arzt, evangelische Kirchengemeinde und der örtliche türkisch-islamische Kulturverein hätten Gespräche über den künftigen Praxisablauf vereinbart. «Wir wollen als Stadt, dass das Zusammenleben der Kulturen funktioniert so wie bisher», sagte er. Jeder zehnte Einwohner des Ortes ist ein Ausländer. (dpa/lhe)
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