"Wildverbiss" in Bayern - KVB macht gegen Berliner Pläne zur asymmetrischen Honorarverteilung mobil

KVB-Chef Axel Munte. (Bild: KVB)

07.09.2010 (BIERMANN) – Gegen die Reformpläne der Bundespolitik macht derzeit die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) mobil. Mit einer Petition beim Deutschen Bundestag und einer Wartezimmer-Kampagne bei niedergelassenen Ärzten wehrt sich die KVB gegen die ihrer Meinung nach drohende Gefährdung des ambulanten Versorgungsniveaus im Freistaat.

Der KVB-Vorstand unterstützt Bayerns Gesundheitsminister Dr. Markus Söder in seinem kritischen Kurs gegenüber den Reformkonzepten der Berliner Gesundheitspolitik. Söder hatte gestern in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung zu den Plänen in Bezug auf die Neugestaltung der ärztlichen Honorarsystematik unter anderem erklärt: "Bei uns steigen die Praxiskosten, woanders die Honorare. Damit würde sich das hohe medizinische Niveau nicht mehr halten lassen."
Auch aus diesem Grund hatte der Vorstand der KVB in der vergangenen Woche eine bayernweite Offensive unter anderem mit Plakaten für die Wartezimmer der Niedergelassenen und einer Petition beim Deutschen Bundestag gestartet. Ziel ist, die Honorarverteilung im neuen GKV-Finanzierungsgesetz "an messbaren, versorgungsrelevanten Kriterien zu orientieren".

In der Petition heißt es zum einen, dass bereits 2009 aufgrund des Gesundheitsfonds 1,66 Mrd. Euro Versichertenbeiträge aus Bayern in andere Bundesländer abgeflossen seien und zum anderen, dass die bundesweit einheitlichen Vergütungen für ambulante Leistungen den Kostenstrukturen und Versorgungsangeboten in Bayern nicht gerecht würden. Nun drohe mit der geplanten asymmetrischen Verteilung der Mittelzuwächse unter den Bundesländern eine erneute Benachteiligung Bayerns.

Auf dem Wartezimmerplakat prangt ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift "Bayern", aus dem zwei große Stücke herausgebissen sind. "Wildverbiss - Wie sich andere Bundesländer Ihre Versicherungsbeiträge einverleiben" werden die Patienten zur Unterstützung der KBV-Kampagne aufgerufen.

"In anderen KV-Regionen weisen die einzelnen Praxen zwar mehr, dafür jedoch deutlich kürzere Arzt-Patienten-Kontakte auf als bei uns. Das liegt vor allem daran, dass wir in Bayern auf Grund unserer Arztzahlen nicht auf Masse, sondern immer voll auf Qualität setzen konnten und in den vergangenen Jahren damit eine Versorgungsstruktur aufgebaut haben, die ihresgleichen sucht. Man denke nur an die belegärztliche Versorgung, in der wir um 300 Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegen", so Munte.
Je mehr Leistungen im ambulanten Bereich durchgeführt werden könnten, umso seltener müssten Patienten ins Krankenhaus geschickt werden. Dies senke nicht nur insgesamt die Kosten im Gesundheitswesen, sondern sei auch im Interesse der Patienten. Denn diese bevorzugten in der Regel die ambulante Versorgung durch Fach- und Hausärzte gegenüber einem Krankenhausaufenthalt. Würden allerdings in großem Umfang stationäre Leistungen in den ambulanten Sektor verlagert (die Augenheilkunde ist hierfür ein Paradebeispiel), bedeute dies zugleich, dass eine höhere ambulante Vergütung pro Versichertem notwendig sei.

Ein weiterer Beleg für das hohe Versorgungsniveau in Bayern sind laut Munte die Geldflüsse im Rahmen des Fremdkassenzahlungsausgleichs. Üblicherweise seien die Flächenstaaten in dieser Systematik eher Zahler und die Stadtstaaten auf Grund ihrer hohen fachärztlichen Versorgungsdichte eher Empfänger. Doch Bayern bilde hier eine Ausnahme und stehe mit rund 16 Millionen Euro Einnahmen pro Quartal aus dem Fremdkassenzahlungsausgleich bundesweit mit an der Spitze. Munte: "Das ist wesentlich darauf zurückzuführen, dass sich der hervorragende Ruf der vielen in Bayern niedergelassenen Spezialisten längst bundesweit herumgesprochen hat."


Quelle: KVB

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